Donnerstag, 26. März 2015

Bomb Shells – die etwas anderen Seed Bombs

Es ist wieder Zeit für die Urban Jungle Bloggers. Und passend zu den herannahenden Feiertagen heißt das Thema im März "Happy Green Easter". Nun werdet Ihr auf meinen Bildern keine Pflanzen sehen (bis auf die paar Quoten-Blümskes, die aber nur zum gut aussehen da sind ;)), denn ich war so frei, das Motto etwas zu dehnen. Mein "Green" ist "Green to be", denn die versammelten Eier, die ich Euch heute präsentiere, sind eine modifizierte Form von Seed Bombs – in ihnen schlummern unzählige kleine Samen, die wahlweise für eine blühende Sommerwiese oder einen sprießenden Kräutergarten sorgen sollen. Überraschungseier der etwas anderen Art quasi.

Bomb Shells – die etwas anderen Seed Bombs - "Fee ist mein Name"

Normalerweise kommen Seed Bombs als braune, kugelige Dinger daher, geformt aus Tonpulver, Kompost, etwas Wasser und den Samen eben. Das kann man natürlich machen, passt aber nicht so gut zu Ostern. Gut, dass andere kluge Menschen schon weit vor mir, nämlich 2007, auf die Idee kamen, die Samen einfach in ausgeblasene Eierschalen zu verfrachten, um sie dann schwungvoll ihrer neuen Bestimmung als "Lebensspender" zuzuführen. Nun fand ich es etwas langweilig, einfach nur Eier zu befüllen und dann ab dafür. Ein bisschen mehr Liebe und Abwechslung haben die "Bomb Shells" schon verdient. Also habe ich mir drei Varianten überlegt.

Variante Nummer Eins ist der Klassiker, nur in etwas hübscherer Verpackung. Was Ihr logischerweise für alle Spielarten braucht, sind ausgeblasene Eier. Die könnt Ihr entweder selbst vom Inhalt befreien und dabei fast ohnmächtig werden oder aber Ihr macht es wie ich und kauft die Dinger. Ich habe bei einem bekannten Dekogedönsladen mit B am Anfang 2,99 Euro für zwölf ultrahübsche Truthahneier bezahlt, die nicht nur schicke dunkle Sprenksel haben (die theoretisch auch einfach ein engagierter Mitarbeiter mit der Zahnbürstenspritztechnik aufgebracht haben könnte ;)), sondern vor allem nur ein einziges Loch oben, was sehr praktisch ist, da unten nichts rausfallen kann. Als Füllung habe ich Blumensamen der Marke "Blütenparadies für Nützlinge" mit etwas guter Erde (nicht das schäbige Zeug aus dem Supermarkt) gemischt und mit einem kleinen Trichter (kann man sich auch aus Papier basteln) vorsichtig in die Eier geschubst. Und damit die Eier nicht so traurig nackt im Karton rumhängen, habe ich ihnen noch Ohren geschenkt. Liebevoll dilletantisch handgezeichnet. Das könnt Ihr selbst machen oder auch meine Variante herunterladen. Bitteschön.

Bomb Shells – die etwas anderen Seed Bombs - "Fee ist mein Name"

Achtet bei den Samen darauf, dass es einheimische Wildblumen sind, wenn Ihr sie wirklich irgendwo in die Botanik pfeffern wollt. Für den Blumenkasten zuhause geht natürlich auch alles andere. Eine Befüllung zwischen einem Drittel und der Hälfte des Eis reicht völlig aus. Eins meiner Samentütchen reicht theoretisch für zwei Quadratmeter, das habe ich mit der Erde auf sechs Eier gestreckt. So ein platzendes Ei hat sicher keinen besonders großen Radius. Fliegt mit der Befüllungsmenge aber auf jeden Fall hervorragend. Und mit dem Loch vorneweg geworfen, gibt es meiner Erfahrung nach auch keine größeren Streuverluste ;)! Also: Hau wech, den Scheiß...

Variante Nummer Zwei kommt in der Miniaturausgabe daher. Auch die Wachteleier gibts fertig ausgeblasen in der Ein-Loch-Version zu kaufen und zwar bei der Deko-Konkurrenz mit D. In diesem Fall habe ich Kräutersamen als Inhalt gewählt. Und zwar ohne begleitende Erde, denn die verschiedenen Sorten haben doch recht unterschiedliche Anforderungen bezüglich Saattiefe und -abstand. Also sind die Eier hier nur temoräre Gefäße und müssen zum Einsatz manuell zerbröckelt werden. Ein bisschen Schwund ist schließlich immer und manchmal muss man Opfer bringen. Die Phrasenkasse steht bereit und ich habe bereits eingezahlt ;)!

Bomb Shells – die etwas anderen Seed Bombs - "Fee ist mein Name"
Handmodel werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr, aber man muss ja auch nicht alles können ;)!

Weil die Eier doch recht klein sind und gerne mal wild umherkugeln, müssen die Samen vor dem Herauspurzeln gesichert werden. Ich habe das so gelöst, dass ich die Namen der entsprechenden Kräuter auf einen kleinen Zettel geschrieben habe, den ich zu einer schräg zulaufenden Rolle gedreht, in die Öffnung gesteckt, dann kurz über dem Ei abgeschnitten und in der Öffnung verklemmt habe. Klappt erstaunlich gut. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Man informiert über den Inhalt und verschließt das Loch. Alternativ kann man das Loch auch mit einem kleinen, plattgedrückten Stück eines Wachsplättchens oder etwas Washi Tape verschließen. Ich fand es so aber hübscher. Und es sind wirklich Überraschungseier. Ich weiß auch nicht, wer was bekommt...

Zu guter Letzt hätten wir Variante Drei. Die martialische Spielart, die das Thema wörtlich nimmt. Eine krude Mischung aus Handgranate und Comic-Bombe. Völliger Quatsch, aber mit Liebe hergestellt. Ich habe die Eier dafür mit schwarzer Acrylfarbe in drei Schichten angepinselt, bis die Farbe vollständig deckte. Sprühlack geht natürlich auch, hatte ich aber nicht zur Hand. Die Kappen sind Deckel von Filmdosen, in die ich kleine Löcher gebohrt und ein Stück Jutesseil als Zündschnur durchgesteckt habe. Untendrunter ist ein Knoten, der gerade so durch die Eier-Öffnung passt und die ganze Konstruktion festklemmt. Ein wenig Sekundenkleber tut es aber sonst auch. Die Beschriftung ist dank einem Kreidestift wieder abwaschbar, nur für den Fall, dass man die Eier irgendwie wiederverwenden will. Die Füllung entspricht Variante Eins, wobei ich diese Bomben aufgrund der Farbe nicht einfach auf die nächste Wiese pfeffern würde. Das ist eher was für einen großen Kübel auf dem Balkon. Da kann man das Ei auch einfach auf der Kante "aufschlagen"...

Bomb Shells – die etwas anderen Seed Bombs - "Fee ist mein Name"
In diesem Kontext eine völlig berechtigte Frage: Warum liegt hier eigentlich überall Stroh?

Also dann, viel Spaß beim Bomben bauen. Stellt am besten gleich eine ganze Batterie her, so wie ich. Denn wer freut sich nicht über ein bombiges Mitbringsel an Ostersonntag ;)?

Dienstag, 24. März 2015

Moose mit Doppel-"O" und ganz ohne Schilfkörbchen

Irgendwie sind wir doch alle ein bisschen bekloppt, oder? Wir machen Dinge, die andere nicht so gut nachvollziehen können, finden sie aber selbst total super. Was ich zum Beispiel voll nicht in meinen Kopf bekomme: Die Tuner-Szene, die mit ihren gepimpten Karren vor Phoenix West rumhängt, die Straßen dort mit einer Rennstrecke verwechselt und "schicke" Fotos von Prollschlitten vor Industriekulturkulisse macht. Aber: Die fanden mich wiederum auch komisch, als ich vergangenen Sonntag dort aufschlug, eigentlich ebenfalls mit dem Plan Industriekultur zu fotografieren, plötzlich aber ein buntes Funkeln im Augenwinkel wahrnahm und die nächste halbe Stunde kriechend auf einer Wiese zubrachte – in neu entflammter Liebe für Moose jeglicher Couleur.

Moose mit Doppel-"O" und ganz ohne Schilfkörbchen - "Fee ist mein Name"
Moose mit Doppel-"O" und ganz ohne Schilfkörbchen - "Fee ist mein Name"
Moose mit Doppel-"O" und ganz ohne Schilfkörbchen - "Fee ist mein Name"

Dass ich gerne mal auf allen Vieren durch die Botanik krieche, ist nichts Neues. Ich habe dieser recht speziellen Leidenschaft bereits hier und hier Ausdruck verliehen. Ich habe eben ein Herz für die ganz kleinen Dinge. Das mag oder mag nicht mit meiner eigenen Körpergröße zusammenhängen. Fakt ist aber jedenfalls: Als ich da plötzlich die Brachfläche direkt vor Phoenix West stellenweise rot-golden leuchten sah, war mein Makro-Foto-Jagdinstinkt geweckt. Und das, was von weiten nur aussah wie ein paar bunte Flecken zwischen mickrigen Grashalmen und Dreck, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als unfassbar abwechslungsreiche und spannende Miniaturwelt.

Moose mit Doppel-"O" und ganz ohne Schilfkörbchen - "Fee ist mein Name"
Moose mit Doppel-"O" und ganz ohne Schilfkörbchen - "Fee ist mein Name"
Moose mit Doppel-"O" und ganz ohne Schilfkörbchen - "Fee ist mein Name"

Moose sind ganz zu Unrecht völlig unterschätzte Lebensformen, die aus ihrer Nichtbeachtung befreit werden müssen. Aus der Nähe besehen könnten sie aus mir glatt noch einen Hobby-Botaniker machen, so toll finde ich sie. Besonders die gestielten Sporenkapseln mit ihren unterschiedlichen Farben und Formen, die fast wie kleine Wälder oder Schilfansammlungen daherkommen, nur eben in winzig klein, haben mein Herz im Sturm erobert. Und die Tatsache, dass sich in den Zwischenräumen teilweise mikroskopische Sukkulenten niedergelassen hatten, tat meiner Liebe auch keinen Abbruch. Genauso wenig wie die kleinen Schneckenhäuser, die nur halb so groß waren wie mein kleiner Fingernagel. Und der ist schon verdammt klein, das könnt Ihr mir glauben ;)!

Moose mit Doppel-"O" und ganz ohne Schilfkörbchen - "Fee ist mein Name"
Moose mit Doppel-"O" und ganz ohne Schilfkörbchen - "Fee ist mein Name"
Moose mit Doppel-"O" und ganz ohne Schilfkörbchen - "Fee ist mein Name"

Einzig die Tatsache, dass der Plural von Moos Moose ist, verwirrt mich immer noch nachhaltig. Ich meine, eigentlich ist es klar und ich glaube auch mich zu den Menschen mit halbwegs gutem Sprachschatz und guter Rechtschreibung zählen zu können, aber in diesem Fall: Totalausfall. In meinem Kopf war Moos scheinbar so ein Fall wie Saal, wo ein Vokal im Plural abhanden kommt. Gut, das stimmt auch nicht wirklich, schließlich wird das "a" zum "ä", aber Ihr wisst, was ich meine. Ich dachte also, es heißt Mose. Was natürlich Quatsch ist, denn das ist der Typ aus der Bibel, der im Schilfkörbchen über den Nil schippert. Aber selbst der dezente dahingehende Hinweis einer Followerin auf Instagram, wo ich meiner Begeisterung ebenfalls Ausdruck verlieht, führte mich noch nicht auf die richtige Spur. Es brauchte erst den Freund, der mir den Missstand mit der Holzhammer-Methode beibrachte. Nun ja, wir alle machen Fehler. Aber mal ehrlich: Moose, das sind massive Elche auf Englisch, aber doch bitte keine solch zarten Geschöpfe wie meine neuen Freunde hier...

Moose mit Doppel-"O" und ganz ohne Schilfkörbchen - "Fee ist mein Name"
Moose mit Doppel-"O" und ganz ohne Schilfkörbchen - "Fee ist mein Name"
Moose mit Doppel-"O" und ganz ohne Schilfkörbchen - "Fee ist mein Name"

Und jetzt bitte: Sind sie nicht wunderschön, die Mo(o)se?  Erzählt mir nicht, Ihr seht das anders...

Sonntag, 22. März 2015

Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks (und ein paar Erkenntnisse über das Reisen an sich)

Mal ehrlich, wer denkt bei Dubai an flache, lehmverputzte Häuser aus Korallenstein mit traditionellen Windtürmen und schmalen, schattigen Gassen, wer denkt an rustikale Holzboote und wer an Berge von duftendem Weihrauch oder getrockneten Rosenblüten? Vermutlich kaum jemand. Und zugegeben: Es ist nicht der augenscheinlichste und dominanteste Teil der Stadt und vermutlich auch für die wenigsten ein (oder der) Grund, um in die Emirate zu reisen. Für mich jedoch ist es eindeutig der spannendste Teil unserer kleinen Reise. Ein Teil, den es sich zu entdecken lohnt, wenn man ein wenig Interesse an der Geschichte und den Traditionen Dubais mitbringt, und vermutlich auch einer der wenigen Orte, an dem das für einen ausländischen Besucher überhaupt möglich ist.

Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, DhGood Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"aus und Souks
Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"
Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"

Der historische Teil Dubais ist überschaubar, genau wie die Zahl der "echten Emirati" im Vergleich zur Gesamtbevölkerung fast unter "ferner liefen" zu führen ist. Aber genau das macht es auch wieder reizvoll, denn alles ist zu Fuß (und mithilfe einer kleinen Überfahrt) zu bewältigen. Zuerst wäre da die Bastakiya, mit knapp 120 Jahren eines der ältesten noch erhaltenen Viertel Dubais und heute unter Denkmalschutz. Ursprünglich lebten hier reiche Perlen- und Textilhändler, viele von Ihnen aus dem heutigen Iran. Das Viertel grenzt daher auch direkt an den Dubai Creek, ein Arm des Persischen Golfs, der 14 Kilometer ins Landesinnere ragt, Dubai in die Stadtteile Bur Dubai und Deira teilt und überhaupt dazu geführt hat, dass die Stadt heute das ist, was sie ist. Zumindest, dass sie DA ist, WO sie heute ist, denn der Creek war die Lebensader Dubais, erst für Perlentaucher und Fischer und später eben auch für Händler. Die Palmwedelhütten der ersten Siedler am Creek sind heute nicht mehr erhalten und können nur noch in nachgebauter Form im etwas westlicher gelegenen Freilichtmuseum "Heritage Village" besichtigt werden. Die Gebäude und Gassen im Bastakiya-Viertel jedoch sind zwar 2005 saniert und restauriert worden, ansonsten aber noch orginal erhalten.

Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"
Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"
Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"

"Alt" in Dubai ist natürlich nicht "alt" in dem Sinne, in dem wir in Europa "alt" empfinden. Aber jede Geschichte fängt irgendwo an, manche eben früher und manche später – und das macht sie doch nicht weniger spannend, oder? Im übrigen handelt es sich hier nur um die durch Kultur- und Baudenkmäler nachweisbare Geschichte, denn schließlich haben auch die Vereinigten Arabischen Emiraten eine ältere Historie, die eben nur nicht mehr sichtbar ist. Wer Interesse daran hat: Im ältesten erhaltenen Gebäude Dubais, dem al-Fahidi-Fort von 1787, ist heute das Stadtmuseum untergebracht, das unter anderem auch einen Einblick in die Frühgeschichte der Region gibt. Das sehen wir uns aber aus Zeitgründen nur von außen an und laufen lieber gemütlich weiter durch die schattigen Gassen des Viertels. Besonders augenfällig hier in der Bastakiya sind die Windtürme, ein Erbe, das ebenfalls durch die persischen Siedler nach Dubai gekommen ist. Um es platt zu sagen: Die Windtürme sind historische Klimaanlagen und eine echt kluge Angelegenheit. So klug, dass ich mir spare, ihre Funktionsweise zu erklären. Könnt Ihr bei Interesse besser hier nachlesen ;)!

Heute wird das Viertel nicht mehr bewohnt, sondern ist Sitz von vielen Galerien, kleineren Museen, Restaurants, Cafés und auch Vereinen. Ehrlich gesagt wirkt es, wenn man durch die schmalen, zur Mittagszeit im Januar fast völlig ausgestorbenen Gassen streift, fast ein bisschen unwirklich. So wie eins dieser absurden Outlet-Einkaufszentren, die versuchen, eine heimelige Atmosphäre durch kleine, vermeintlich originalgetreue Gebäudenachbauten im Freizeitpark-Style zu erzeugen. Hier in Dubai entsteht dieser Eindruck hauptsächlich durch den extremen Kontrast zu Moderne und Luxus, mit denen man sonst umgeben ist. Auch die Tatsache, dass es hier so ruhig und sauber ist, will vermeintlich gar nicht zum historischen Charakter passen. Authentisch ist hier also vor allem die Bebauung, auch wenn sie auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so wirkt, die passende Atmosphäre muss man sich dazu denken. Verpassen sollte man es aber auf gar keinen Fall, denn gerade durch den Gegensatz wird klar, welche Leistung das Emirat in den vergangenen Jahrzehnten erbracht hat, indem es Dubai zu dem gemacht hat, was es heute ist – egal, was man davon hält.

Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"
Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"
Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"

Was man während eines Besuchs in der Bastakiya auch auf keinen Fall verpassen sollte, ist ein Cultural Meal im "Sheikh Mohammed Centre for Cultural Understanding". Und das nicht nur wegen der traditionellen Emirati-Küche, die man hier geboten bekommt, sondern vor allem auch wegen der einzigartigen Möglichkeit mit echten Emirati ins Gespräch zu kommen, die nur circa 12% der rund 2,2 Millionen Einwohner ausmachen und die ansonsten eher wenig Kontakt mit den Touristenhorden haben, die Dubai regelmäßig überrollen. Die Emirati leben in eigenen Vierteln, eben ganz unter sich, und viele von ihnen arbeiten in der Verwaltung, so dass man zwar vielleicht mal zufällig einen sieht, aber ins Gespräch kommen? Eher unwahrscheinlich. Emirati kann man übrigens nicht werden. Das ist man entweder von Geburt an (wenn der Vater ein Emirati ist) oder gar nicht.

Das und mehr erfährt man hier während des Essens in lockerer Atmosphäre. Ihr wolltet schon immer mal eine Abaya oder die Kandora tragen, die traditionellen Gewänder in der Vereinigten Arabischen Emirate? Ihr wolltet schon immer mal all die vermeintlich doofen Fragen über Kultur, Religion und Traditionen stellen, die Euch in den Sinn kommen, traut Euch aber einfach nicht? Ihr wollt wissen, wie junge Emirati das, was wir teilweise als kulturell rückständig wahrnehmen, mit ihrer modernen Umwelt in Einklang bringen? Euch interessiert, was Eure Altersgenossen in Dubai für Hobbys haben (im Auto rumcruisen zum Beispiel ;)), wer zuhause die sprichwörtlichen Hosen anhat, wie das mit den arrangierten Hochzeiten heutzutage aussieht und wie die Emirati zu ihren Scheichs stehen (sie lieben sie)? Auch wenn viele der Fragen und Antworten für uns Deutsche, die wir im Alltag mehr Kontakt mit dem Islam haben als die vielen Amerikaner, die mit uns zu Mittag essen, nicht unbedingt überraschend sind, gibt es doch echt vieles, das ich aus dem Cultural Lunch mitnehme. Einerseits rein faktisch (zum Beispiel was die Bildung angeht), aber auch in Bezug auf kulturelle und religiöse Ansichten und ihre Darstellung. So wird hier zum Beispiel auch offen über Homosexualität gesprochen. Und wenn das Ergebnis der Ausführungen ist, dass man da unterschiedlicher Meinung ist und warum das vielleicht so ist, ist das zumindest auch erst mal ein Ergebnis.

Einfach zum Essen reinschneien läuft hier übrigens nicht ;)! Es gibt feste Termine und Ihr müsst Euch vorher anmelden. Der Lunch findet jeden Sonntag und Dienstag statt, Frühstück gibts Montag und Mittwoch, ein Dinner am Dienstagabend und einen Brunch am Samstagvormittag. Die Preise schwanken pro Person zwischen 80 und 100 AED, was aktuell circa 20-25 Euro entspricht. Und die sind sehr gut investiert, wenn Ihr mich fragt. Die Begegnung mit den Emirati war für mich das, was  vom Aufenthalt in Dubai am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben ist.

Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"
Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"
Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"

Weiter gehts von der Bastakiya aus zum Dubai Creek. Insgesamt führen nur drei Brücken über den Meeresarm, was bedeutet: Mal eben auf die andere Seite rüberlaufen ist nicht. Stattdessen kutschieren sogenannte Abras, hölzerne Wassertaxen, die Fußgänger zwischen Bur Dubai und Deira hin und her. Das dauert nur wenige Minuten und kostet 1 AED pro Nase, also 25 Cent. Es sind zwar hauptsächlich Touristen und einfachere Bewohner Dubais, die die aktuell circa 150 Abras nutzen, aber günstiger und schneller kommt man auf keinen Fall zum anderen Ufer. Wir laufen aber erst noch ein wenig zu Fuß entlang der südlicheren Creek-Seite, treffen einheimisches Getier, lauschen dem Gesang aus der angrenzenden Moschee und lassen uns bis zum ebenfalls restaurierten Textil Souk treiben (oder auch Old Souk), wo es Stoffe und Schneiderleistungen aller Art, aber auch typische Souvenirs zu kaufen gibt, die hier haupsächlich von Händlern aus dem südlichen Asien, also Indien, Pakistan und angrenzende Ländern, an den Mann oder auch an die Frau gebracht werden. Offensichtlich sind wir sofort als Deutsche zu erkennen, denn jeder zweite Verkäufer (und das auch später auf der anderen Creek-Seite) spricht uns mit "Hey, wie gehts" oder auch "Schweinsteiger" an. Dann hat es sich aber auch mit den Deutschkenntnissen und wir wechseln zu sehr einseitigen, englischen Gesprächen à la "Hey, you are Shakira. We are friends on Facebook" über ;)! Und auch wenn das so klingt, offenbar kaufen hier (und auch in den anderen Souks) bei weitem nicht nur Touristen ein, sondern auch die Bewohner der Stadt, wenn man unserer Stadtführerin Glauben schenkt. Zumindest die Berge an Pashmina-Schals zielen dann aber wohl doch eher auf Touris ab...

Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"
Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"
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Um zu den anderen traditionellen Souks zu kommen, dem Gewürz- und dem Gold-Souk, muss man dann aber doch auf die Deira-Seite des Creeks übersetzen. Auch wenn die Abras auf den ersten Blick etwas klapprig aussehen, sie gehören zum offiziellen Nahverkehrssystem in Dubai, werden regelmäßig gewartet und haben Rettungsringe, -westen und sonstigen Sicherheitskram an Bord. Nun denn. Ich habe auch mehr Angst davor, dass mir kotzübel wird. Ist ja schließlich ein Schiff, so ein Abra, und mit Schiffen habe ich es ja nicht so. Erstaunlicherweise ist es aber dann gar nicht so schlimm. Das Wasser auf dem Creek ist sehr ruhig und ich bin so damit beschäftigt, auch nur ein vernünftiges Bild der Dhaus zu machen, den lustig bunten, aber auch irgendwie arg verwitterten traditionellen Handelsschiffen, dass ich kaum merke, dass wir uns auf einem Boot befinden. Auch wenn die Dhaus aussehen, als würden sie nach zehn Metern zusammenbrechen – die (Segel-)Schiffe dienen schon seit knapp 2000 Jahren dazu, Waren über den Golf und sogar teilweise bis nach China zu bringen. Sie sind heute immer noch unterwegs und transportieren hauptsächlich einfache Haushaltsgüter, aber zum Beispiel auch Gewürze für die angrenzenden Souks.

Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"
Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"
Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"

Nach weniger als zehn Minuten erreichen wir die gegenüberliegende Seite und damit quasi direkt den Gewürzmarkt. Ehrlich gesagt bin ich hier ein wenig enttäuscht, denn auch wenn sich die Gewürze in Hülle und Fülle vor den kleinen Verkaufseinheiten stapeln, die Bilder in meinem Kopf von orientalischen Souks sind noch mal eindeutig opulenter und eindeutig malerischer. Vielleicht sind es die "Plastiksäcke", vielleicht ist es aber auch der Zeitmangel, mit dem wir die die extrem schmalen Gassen hetzen und der uns kaum Zeit lässt, das Szenario wirken zu lassen. Vielleicht ist mein Kopf durch Filme aber auch so vollgestopft mit romantisierten und verklärten Bildern, dass die Realität dagegen nicht mehr anstinken kann. Schade eigentlich. Ich möchte selbst nicht, dass Deutschland auf Schwarzwald und Oktoberfest reduziert wird und dass auch Dortmund in seiner ihm eigenen Schönheit anerkannt wird und merke dann, dass ich selbst oft auch nur auf der Suche nach vermeintlich fotowürdigen Motiven bin, die mein vorgefertigtes Bild bestätigen. Wenn ich noch mal nach Dubai käme, würde ich mir auf jeden Fall mehr Zeit nehmen, um die Souks zu erkunden, mal in einen Laden hineingehen, die Gewürze anfassen, riechen und kennenlernen und auch mit den Händlern ins Gespräch kommen, denn so ist leider nicht viel im Kopf und im Herz hängengeblieben.

Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"
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Good Ol' Dubai – Bastakiya, Abras, Dhaus und Souks - "Fee ist mein Name"

Die letzte Station, der Gold Souk, befindet sich nur ein paar Straßen weiter vom Creek entfernt. Hier ist es vor allem meine mangelnde Faszination an Schmuck und das Unverständnis für jegliche Form des übertriebenen Luxus, die dazu führen, dass ich eher erschlagen und geblendet von so viel Überfluss und Bling zwischen den Läden umherstreife und nicht so richtig weiß, was ich davon halten soll. Andererseits gehört es nun mal auch zur Kultur Dubais dazu und Geschmäcker sind verschieden. Spannend zu sehen ist es allemal und auch wenn ich hier eher fasziniert von den Menschen, den Verkäufern und Käufern, bin – verpassen sollte man auch diesen Aspekt Dubais auf keinen Fall. Und so viel Gold auf einen Haufen sieht man sicher so schnell auch nicht wieder...

Es ist schon komisch: Ist eine historische Attraktion touristisch aufgearbeitet und erschlossen, kommt sie einem nicht mehr authentisch genug vor, ist sie jedoch authentisch, möchte man im Kopf teilweise einen beschönigenden Filter drüberlegen. Zumindest beobachte ich das an mir und merke: Ein bisschen mehr Unvoreingenommenheit könnte auch mir ab und zu nicht schaden. Entweder ich will Urlaub, in dem alles "schön" und "malerisch" daherkommt, muss dann aber auch damit leben, dass das teilweise "künstlich" oder touristisch wirkt, oder aber ich will Reisen und nehme dann das ganze Paket. Und da ist es auch egal, ob man um die halbe Welt reist oder nur in den Nachbarort. Die Welt ist nun mal kein Hochglanzprospekt. Auch wenn man das im Vorfeld einer Reise manchmal gerne denkt. Ich trage ja mit meinen Fotos zum Beispiel auch wesentlich dazu bei, ein bestimmtes Bild meiner Reiseziele zu zementieren. Die wenigsten Reisenden fotografieren schließlich die nicht so schönen Dinge und ich nehme mich davon nicht aus. Das kann Erwartungshaltungen mit Sicherheit verfälschen, darüber muss man sich einfach im Klaren sein.

Fakt ist aber: Das "alte" Dubai und die Kultur der Emirati zu entdecken lohnt sich. Man sollte etwas Offenheit und Zeit mitbringen, um auch wirklich etwas mitzunehmen und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, aber vermutlich gilt das für jeden Ort der Welt. Nur ist es mir hier von all meinen Reisen in letzter Zeit am stärksten aufgefallen, einfach deshalb weil sich die Kultur von der unseren am deutlichsten unterscheidet. So wie ich sie kennengelernt habe, sind die Emirati unglaublich aufgeschlossene, gebildete und "wache" Menschen und es lohnt sich sehr, einen Blick hinter die Kulissen des Hochglanz-Dubai mit seinen Wolkenkratzern und Superlativen zu werfen. Man könnte schließlich noch was lernen. Über die Kultur, die man besucht, und über sich selbst.
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Vielen Dank an Dubai Tourism, die mich auf diesen Trip eingeladen haben, damit ich Euch anschließend mit meinen Erinnerungen unterhalten und die Reisehummeln in Euren Hintern wecken kann. Mein Spaß an der Freude kommt allerdings wie immer von Herzen und ist nicht bezahlt.