Herbstliebling: Kultur und Natur im Freilichtmuseum in Riga

LettlandReisenRiga
Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"
23. Oktober 2016 / By / , , / 15 Comments

Seien wir ehrlich: Freilichtmuseen sind nicht gerade das, was gemeinhin als Highlight in der Welt der Freizeitgestaltung angesehen wird. Das ist okay, Interessen sind unterschiedlich gelagert und nicht jeder kann, wie meiner einer, bei allem rund ums Thema Alltagskultur glühende Bäckchen bekommen. Als (wenn auch nicht praktizierende, so doch zumindest studierte) Kulturanthropologin versetzen mich Freilichtmuseen in einen Zustand geradezu elektrisierender Euphorie. Das finden andere Menschen komisch, aber ich komme damit klar, schließlich haben wir alle unsere Macken.

Trotzdem (will meinen: im vollen Bewusstsein dessen, dass Eure Begeisterung für Freilichtmuseen sich vielleicht in Grenzen hält) will ich die Gelegenheit nicht versäumen, Euch ein ganz besonderes Freilichtmuseum wärmstens ans Herz zu legen: Das Ethnographische Freilichtmuseum in Riga.

Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"

Als ich vergangenes Jahr begann, Aktivitäten und sehenswerte Orte für das Riga-Video für den Dortmunder Flughafen zu recherchieren, stolperte ich tatsächlich relativ schnell über das Museum. Platz 9 von über 200 Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten in Riga auf Tripadvisor, das kann sich schon sehen lassen. Denn immerhin, und das bitte ich nicht zu vergessen: Wir reden hier von einem Freilichtmuseum. Ja, ich sehe Euch gähnen, dort auf den billigen Plätzen, aber glaubt mir, wenn ihr nicht gerade nur zum Saufen und Feiern in Riga seid, solltet Ihr über einen Besuch des Museums nachdenken. Kostet nur wenige Euro und ein paar Stunden Eurer Zeit. Und wenn Ihr bis hierhin noch nicht die Kurve gekratzt habt, erzähle ich Euch auch gerne noch, wieso sich der Abstecher besonders lohnt – sicherlich nicht nur, aber vor allem auch im Herbst.

Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"

Nachdem ich meine Reisegefährten (aka das Filmteam) also davon überzeugt hatte, dass so ein Freilichtmuseum eine 1A-Video-Location darstellt (immerhin hatte ich mal kurz darüber nachgedacht, meine Magisterarbeit über die Eignung von Freilichtmuseen als Filmsets zu schreiben, ich bin also Quasi-Experte, zumindest in meinem Kopf), machten wir uns eines eiskalten Spät-Oktobermorgens im Jahr 2015 mit dem Taxi auf in Richtung „Brīvības gatve 440“. Mit dem Bus kommt man wohl auch innerhalb einer halben Stunde in das 8 km vom Stadtzentrum entfernte Museum, aber Taxen sind in Riga günstig, wir waren zu viert und vollbeladen, da war die Entscheidung eine leichte. 8 km klingen zwar nicht weit, aber am Museum angekommen findet man sich in einer anderen Welt wieder. Vom städtischen Trubel geht es in einen riesigen Kiefernwald am Ufer des Jugla-Sees und damit in eine friedliche Stille von atemberaubender Schönheit, gefärbt in den buntesten Herbstfarben, geradezu leuchtend im Schein der niedrigstehenden Oktobersonne – ein Ort, der selbst ohne das Museum einen Ausflug mehr als wert wäre.

Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"

Nun habt Ihr ja schon ein paar Bilder gesehen, der Post ist weit fortgeschritten, was bedeutet: Eigentlich ist zu dem Thema alles gesagt. Denn es ist wahr: manchmal sagen Bilder mehr als Worte, auch wenn ich mich niemals scheue, derer viele zu verlieren. Wenn Ihr also ob der Lichtbedingungen und herbstlichen Opulenz des Geländes noch nicht in ekstatische Zuckungen verfallen seid, kann ich Euch auch nicht mehr helfen. Aber da war ja noch was, neben der Natur: die Kultur nämlich. Und die ist auch nicht zu vernachlässigen.

Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"

Ich bemühe jetzt einfach mal ein paar Fakten: Das Ethnographische Freilichtmuseum in Riga ist eines der ältesten und auch größten Freilichtmuseen in Europa. Bereits 1932 gegründet, befinden sich heute fast 120 historische Gebäude der ländlichen, lettischen Volksarchitektur auf dem 87,66 Hektar großen Gelände. Was das bedeutet? Nun ja, da stehen Wohnhäuser rum, Scheunen, Kirchen, Windmühlen, Handwerksbetriebe wie Schmieden oder eine Töpferei und eine Kneipe gibt es auch. Je nachdem, wann man im Museum aufschlägt (das ist abhängig von der Jahreszeit und ob gerade irgendwelche Veranstaltungen stattfinden), sind mehr oder weniger dieser Gebäude zugänglich – das schwankt zwischen allen und einer Handvoll. Und die Gebäude sind nicht nur genauso erhalten, wie sie zwischen dem 17. Jahrhundert und dem Anfang des 20. Jahrhunderts existiert haben, sie sind zudem auch wie damals eingerichtet, mit denselben Möbeln, denselben Werkzeugen und auch mit Kleinigkeiten, die die Szenerie erst zum Leben erwecken. Schaut Euch nur mal dieses entzückende Himmeli an, was da oben von der Decke der Stube baumelt…

Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"

Das Gelände des Museums ist in vier Bereiche geteilt, die vier historischen Regionen des Landes entsprechen: Kurland, Livland, Semgallen und Lettgallen. Und auch wenn es sich ausschließlich um Holzarchitektur handelt, lassen sich doch deutliche Unterschiede in der Bauweise und auch in der Nutzung der Räumlichkeiten ausmachen. Dazu braucht es noch nicht einmal gesteigerten Sachverstand, da reicht bloßes Hinsehen. Wer sich trotzdem näher informieren möchte, dem sei die App des Museums ans Herz gelegt, die es sowohl im App Store als auch im Google Play Store kostenlos herunterzuladen gibt: OpenEthnoLV. Neben Lettisch und Russisch gibt es die Inhalte nämlich auch in Englisch. Jedes Gebäude wird mit seiner Nutzung und weiteren Informationen wie zum Beispiel dem ursprünglichen Standort vorgestellt. Und anhand einer Karte kann man auch ganz einfach durch das Museum navigieren. Wir hingegen haben uns einfach treiben lassen, haben mal hier reingeschaut und mal dort, aber vornehmlich haben wir das Gelände an sich, das wirklich traumhaft angelegt ist, auf uns wirken lassen. Allzu viel war Ende Oktober sowieso nicht geöffnet, aber das hat uns nicht gestört, denn ein so friedlicher Ort ist mir selten untergekommen. Da braucht es nicht mehr. Allein mit dem Spaziergang durch die Siedlungen, ohne tiefere Beschäftigung mit den Inhalten, haben wir drei Stunden zugebracht. Ich denke, das sagt alles.

Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"

Wer jedoch die Möglichkeit hat, in der Hauptsaison oder zu einer der Veranstaltungen (über die im Übrigen die Website des Museums informiert) vor Ort zu sein, erlebt noch mal ein ganz anderes Museum: eines, das lebt, eines, in dem gearbeitet wird und in dem man mitarbeiten kann, in dem traditionelle lettische Speisen zubereitet und Feste gefeiert werden. Im Winter kann man gar Schlitten fahren und Langlaufen. Ich bin sicher: Egal in welcher Variante, ruhig und beschaulich oder quirlig und voller Leben, ein Besuch im Freilichtmuseum in Riga lohnt sich zu jeder Zeit. Ich würde sogar so weit gehen, es als mein Highlight der Reise zu bezeichnen. Und das hat sicher nicht nur etwas mit meinen speziellen, persönlichen Vorlieben zu tun ;)!

P.S. Für alle, die das Video noch nicht kennen, hier noch mal der direkte Link. In bewegten Bildern wirkt so ein Ort ja doch noch mal ganz anders…

Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"Freilichtmuseum Riga - "Fee ist mein Name"


Für diesen Beitrag habe ich kein Honorar erhalten, lediglich für den Videodreh vor Ort und das anschließende Posten des fertigen Films. Dass ich so viel zusätzlich quatsche, liegt einzig an mir ;)!

Das könnte dir auch gefallen!

Gar nicht schlecht – eine A-ROSA-Flusskreuzfahrt auf der Donau - Eine Reise mit "Fee ist mein Name"
Gar nicht schlecht – eine Flusskreuzfahrt auf der Donau
11. November 2018
(Foto-)Stippvisite in Stade
22. Juli 2018
Madeira und Nordportugal, unser Urlaubsvideo - "Fee ist mein Name"
Portugal bewegt: Ein Video aus Madeira und Nordportugal
1. Juli 2018

15 Kommentare

  1. Nria sagt:

    Wunderschöne Bilder! Ich liebe Freilichtmuseen, aber irgendwie gehe ich immer mit den falschen Leuten hin und werde dann so durchgezerrt, während ich noch gar nicht alles angeguckt habe …
    Auf jeden Fall will ich jetzt auf der Stelle nach Riga 😀

  2. Kathi sagt:

    Wie schön, noch jemand mit Begeisterung für Freilichtmuseen ♡! Deine Begeisterung für dieses speziell kann ich sehr gut nachvollziehen, als ich vor 8 Jahren (himmelhilf) in Riga war war das Museum auch schon ein absolutes Highlight 🙂

  3. julia sagt:

    wahnsinnig schönes herbstsonnenlicht! <3 sieht nach einem interessanten und hübschen (yeah, cat content!) ort aus…

  4. Gesa sagt:

    Dieses Museum ist einer der schönsten Orte der Welt, vermutlich zu jeder Jahreszeit. Ich habe die Stunden dort jedenfalls sehr genossen.

  5. nike sagt:

    der herbst von seiner besten seite! wunderwunderschön!

  6. Kristina Eberler sagt:

    Waren Ende September 2016 da. Ich habe es schon in deinen Riga Post vermisst. Der „Imbiss“ ist auch große Klasse. Letische Hausmannskost von lettischen Mütterchen mit viel Liebe gekocht und stillecht warmgehalten. Ein Traum. Genauso wie Jurmala, der Strand, 30 min mit dem Zug. 2 Tage in der Stadt zieht es mich immer in die Natur. VG Kristina

  7. Kathy sagt:

    Huhu liebe Fee,
    ich möchte da jetzt bitte sofort hin: so viele wunderschöne Bilder!
    Freilichtmuseen finde ich übrigens grundsätzlich ziemlich toll und völlig unterbewertet. Es ist immer faszinierend, wenn man so einen Park betritt und entdeckt, dass da eine völlig andere Welt auf einen wartet. Ich habe letzten den Park Hoge Veluwe in den Niederlanden besucht, da ist das ähnlich. Vielleicht magst du da auch mal hin und ne Runde Rad fahren. Ist wirklich schön da.
    Liebe Grüße, Kathy

  8. caro sagt:

    Oh ja! Wir – beides studierte Kulturanthropologen – auch vor 4 Jahren im Spätsommer da und fanden es toll! Wir waren mit dem Bus hingefahren, was prima klappte und wir so schön viel Zeit hatten, uns die Leute anzuschauen (aus rein kulturanthropologischem Grund vetsteht sich … ;-))

    Liebe Grüße
    Caro

  9. Oh wie toll!
    Riga steht auch noch auf meiner Liste der Reiseziele und so wie es aussieht wäre der HErbst PERFEKT geeignet um loszufahren, oder? 🙂

    Viele liebe Grüße

    Franzy

  10. Miuh sagt:

    Wow, wirklich! Stimmung, fotogen, Katze, Natur en Masse… Das wäre was! Nur nicht gerade um die Ecke von hier aus… Liebe Grüsse, Miuh

  11. Liebe Fee,
    mir hat Dein Artikel, Dein Rundgang durch das Freilichtmuseum sehr gefallen. Ich besuche sowas auch von Zeit zu Zeit, einfach um einen Eindruck davon zu gewinnen, wie die Menschen früher gelebt haben. Nicht nur die Häuser, ihre Bauweise und die Materialien, die für die Häuser verwendet wurden, sondern auch jeder Gegenstand in den Häusern erzählen unheimlich viel über ihre Zeit. Das ist für mich interessant.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

  12. Jolanta sagt:

    Ich finde die Bilder sehr schön…und leuchtend! Leider ist das ein bisschen weit weg, aber vielleicht kann man hier ein Pendent davon aufbauen?

  13. Wirklich wunderschöne Bilder! Ich hoffe, dass hier auch bald die Sonne raus kommt und wir den Herbst von seiner schönen und nicht ganz so nassen Seite kennenlernen. Ein wenig erinnern mich die Bilder an den Besuch in einem Freilichtmuseum in Norwegen. Und schon kommt die Reisesehnsucht auf!
    Danke!

Hinterlasse einen Kommentar

Wichtig: Beim Absenden eines Kommentars werden Daten übertragen, darunter Deine IP-Adresse. Weitere Informationen dazu findest Du in meiner Datenschutzerklärung.

Wer suchet, der findet…

Cookie-Einstellung

Bitte treffen Sie eine Auswahl. Weitere Informationen zu den Auswirkungen Ihrer Auswahl finden Sie unter Hilfe.

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies zulassen:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.
  • Nur First-Party-Cookies zulassen:
    Nur Cookies von dieser Webseite.
  • Keine Cookies zulassen:
    Es werden keine Cookies gesetzt, es sei denn, es handelt sich um technisch notwendige Cookies.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutz.

Zurück

Folge mir!
Archiv
Kategorien

Cookie-Einstellung

Bitte treffen Sie eine Auswahl. Weitere Informationen zu den Auswirkungen Ihrer Auswahl finden Sie unter Hilfe.

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies zulassen:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.
  • Nur First-Party-Cookies zulassen:
    Nur Cookies von dieser Webseite.
  • Keine Cookies zulassen:
    Es werden keine Cookies gesetzt, es sei denn, es handelt sich um technisch notwendige Cookies.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutz.

Zurück